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Anne Dahm-Puchalla |
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Rede von Dr. Till Busse
Das ist die Welt: In Goethes Versen aus dem Faust I scheint eine uralte Thematik auf, die auch den Titel unserer heutigen Ausstellung prägt. Alles ist eitel, die Welt verändert sich und dreht sich in einem ständigen Prozess des Sterbens und Geborenwerdens. Die Eitelkeit weltlichen Besitzes, den man letztendlich doch wieder abgeben muss, die Vergeblichkeit menschlichen Ehrgeizes oder menschlicher Beziehungen, denen das Wort Abschied schon im ersten ausgetauschten Blick ansieht, Vanitas ist ein Thema menschlichen Nachdenkens, das geradezu die Voraussetzung des Religiösen ist. Das Wort Vanitas entstammt dem lateinischen und bedeutet eigentlich Leere. Es wurde in der Regel verwendet, um auf diese Bedeutungslosigkeit des Lebens und die Vergänglichkeit irdischer Belange anzuspielen, es ist eine der melancholischen Sinnfragen an sich und impliziert eine negative Antwort. Der Mensch ist ein leeres Gefäß, ein zerbrechliches zudem, das anders angefüllt werden muss als mit materiellem. Der Begriff des Gefäßes als Metapher für menschliche Körperlichkeit erscheint in einer großen Zahl religiöser Texte quer durch die Weltreligionen. So schreibt schon Paulus im zweiten Korintherbrief: Durch uns hindurch sollen alle Menschen Gottes Herrlichkeit erkennen, die in Jesus Christus sichtbar wird. Diesen kostbaren Schatz tragen wir allerdings in irdenen Gefäßen. Denn so wird jeder erkennen, dass die außerordentliche Kraft, die in uns wirkt, von Gott kommt und nicht von uns selbst. Denn obwohl uns die Schwierigkeiten von allen Seiten bedrängen, lassen wir uns nicht von ihnen überwältigen. Auf einem der Werke Anne Dahm-Puchallas erscheint dagegen ein Ausspruch Laotses, der sich ebenfalls mit dem Begriff des Gefäßes auseinandersetzt: Ton knetend formt man Gefäße, doch erst ihr Hohlraum, das Nichts, ermöglicht die Füllung. Das sichtbare, das Seiende, gibt dem Werk die Form. Das Unsichtbare, das Nichts, gibt ihm Wesen und Sinn. Hier zeigt sich ein fundamentaler Unterschied zwischen Orient und Okzident, zwischen Christentum und ostasiatischem Denken. Während Paulus den Menschen als – wenn auch zerbrechliches - Gefäß für eine göttliche Kraft ansieht, ist für Laotse gerade die Leere ein positiv besetzter Begriff, ein Gedanke der sich auch im Denken des Zen-Buddhismus wiederfindet. Leere bedeutet hier in erster Linie die Abwesenheit von Leiden. Man muss vor der Leere keine Angst haben und tatsächlich ist dieser fernöstliche Gedanke auch in der Poesie der Europäischen Moderne zu finden, er ist das was der Romanist Hugo Friedrich als leere Transzendenz bezeichnet hat. Gott ist eine Leerstelle, die wir als Menschen der Moderne oft nicht wissen können. Der Mensch selbst allerdings kann auch, wenn man dem lateinischen Dichter Terenz Glauben schenken kann, ebenso recht leer sein, denn laut Terenz ist der „Mensch (...) eine Luftblase“, d. h. er ist ebenso fragil und vergänglich. Ähnlich liest man im Satyrikon des Petronius „Weh, o weh! Als aufgeblasene Schläuche gehen wir umher. [...] Wir sind nicht mehr wert als Luftblasen“. Die Erkenntnis "Homo bulla" - der Mensch ist wie eine Seifenblase - erscheint in vielfach abgewandelter Form in sogenannten Vanitas - Stillleben. In Stillleben tauchen in gleicher Bedeutung oft auch Glas- und Kristallkugeln auf und damit sind wir wieder bei Goethe steigender, fallender, gläserner Welt. Auf einem Kupferstich des barocken Künstlers Hendrick Goltzius findet sich folgender Vers von Franco van Est: "Die frische Blume, leuchtend im Frühling und duftend, verwelkt plötzlich und die Schönheit vergeht schnell. So vergeht auch das Leben der eben Geborenen und entflieht gleich einer Seifenblase aus leerem Dunst." Estius gibt damit eines der entscheidenden Motti für die Stillebenmalerei der kommenden Jahrhunderte vor. Sind Stillleben in der Kunst der Barockzeit oft Machtdemonstration und Entfaltung von Abundantia, Vorführungen von Kunstfertigkeit und Illusionismus, von überquellendem Reichtum, so fehlt doch meist nicht die leicht angefaulte Frucht oder die über das Gemälde krabbelnde Fruchtfliege. Gerade das 17. Jahrhundert, geprägt durch wüste Kriege, äußersten Hunger und grausame Armut in Mitteleuropa, bringt geradezu eine Kunst des schlechten Gewissens hervor, in den am Rande der Konflikte liegenden Niederlanden, einer einsamen Insel des Reichtums. Im Gegensatz hierzu stehen spanische Stillebenmaler wie Francisco Zurbarán, der tatsächlich nur leere Gefäße malte. Zurbaráns Ästhetik taucht dreihundert Jahre später wieder bei Giorgio Morandi auf, einem italienischen Stilllebenmaler, der ebenso nur Hüllen malte, Flaschen, Vasen, menschengemachte Objekte, in einer zurückhaltenden, oft stumpfen Farbigkeit, die den Maler als Asketen der Moderne in seiner Beschränkung auf einfachste Formen erscheinen lässt. Anne Dahm-Puchalla stellt in Sankt Theodor zwei verschiedene Werkgruppen aus, die in jüngster Zeit entstanden sind und sich in gewissem Sinne zwischen diesen Polen von Abundantia und Kargheit bewegen. Während einer Ausstellung in der Galerie Kunstraub Anfang 2012 zeigte die Künstlerin vier Stillleben, welche die vier Jahreszeiten widerspiegeln sollten. In zarten pastelligen Farben erschienen weiße Tulpen für den Frühling, Rosen und Kirschen für den Sommer, Astern, Wein und Äpfel für den Herbst, weiße Lilien und leere Gläser im Winterbild. Schon bald empfand die Malerin die Sache als zu gefällig, vielleicht auch als zu üppig, und sie versuchte, die Thematik zu brechen, indem sie Zitate aus Interviews mit Obdachlosen zu den vier Jahreszeiten auf Acrylplatten schrieb und sie auf ihre gemalten Bilder montierte. Die Idylle der Stillleben und die materiellen Geschenke der vier Jahreszeiten, die ja nicht jeder erhält, wurden so mit den ganz anderen, existentielleren Erfahrungen der Berber kontrastiert. Während der Studienrat im Dezember an den adventlichen Kaffee und an das dazugehörige Stillleben aus Printen und Porzellan denken mag, empfindet der Mensch ohne Dach über dem Haupt, den Weihnachtsfrieden als brüchig und muss sein Zelt unter der Brücke mit Teelichtern heizen. In einem zweiten Anlauf, der nun hier gezeigt wird, übermalte Dahm-Puchalla dieselben Leinwände mit einer gestischen Malerei, die wie ein Schleier über den Bildmotiven hängt, aber in Durchbrüchen immer wieder Fragmente der Realität freigibt, Blüten, Früchte, farbige Akzente. So ist eine neue Werkserie entstanden, die sich über die kleinteilige, teils penible Feinmalerei der darunterliegenden Arbeiten hinwegsetzt und den Bildern oft eine andere und vielleicht stringentere Struktur verleiht. Licht bleibt diese Vision der Jahreszeiten jedoch allemal. Die Texte der Obdachlosen können nun und hier- auf Papier gedruckt- mitgenommen werden. Übermalungen sind in der Kunst der Moderne durchaus häufig, so bestehen Werke von Gerhard Richter, die sogenannten Rakelbilder, oft aus 15 bis 20 Farbschichten übereinander, weil der Künstler mit sich selber im Prozess des Schaffens einen Dialog von Vorschlagen und Verwerfen auf der Leinwand ausficht. Diesen muss man Dahm-Puchalla ebenso unterstellen – Übermalungen erscheinen aber auch in der oft religiös inspirierten Malerei des Wiener Malers Arnulf Rainer oder in frühen Arbeiten des amerikanischen Pop-Art-Künstlers Robert Rauschenberg. „Ich bin das Gefäß. Gottes ist das Getränk. Und Gott der Dürstende.“ (Dag Hammarskjöld) Eine weitere Gruppe von Arbeiten wiederum stellt nun leere Gefäße vor, in einer kargen, grauen oder braunen Ton-in-Ton-Malerei. Hier steht Dahm-Puchalla in der Tradition Cézannes, Morandis oder letztendlich Zurbaráns, doch bezieht sie sich ebenso – bedingt auch durch ihr familiäres Umfeld – auf die Ästhetik de Wabi – Sabi. Wabi – Sabi ist eine Ästhetik des Einfachen, des Abgelebten und des Abgewetzten, die sich aus dem Zen-Buddhismus speist und aus dem Umfeld der japanischen Tee-Zeremonie entstammt. Entstanden im 15. und perfektioniert im 16. Jahrhundert, hat sie mit Understatement ebenso zu tun wie mit dem Gedanken der Endlichkeit menschlichen Lebens. Es gibt hier erstaunliche Berührungspunkte mit zeitgleichen Tendenzen in der europäischen Kultur, gerade in Spanien und in England, später auch in Frankreich. „Dinge gehen entweder ins Nichts über oder entwickeln sich aus dem Nichts“ – diese Allgegenwart von Verfall und Absterben spiegelt sich in den scheinbar unvollkommenen Gefäßen der Tee-Zeremonie, Schalen und Kannen mit Sprüngen und Fehlbränden, die auf das Verwehen alles Irdischen deuten. Auch Dahm-Puchallas Gefäße umfassen das Nichts, ihre Maloberflächen zeigen Schrunden und Zeitspuren – und doch scheinen einige dieser Gefäße von innen zu leuchten. Die Teezeremonie ist in erster Linie eine Feier eines einzigartigen Moments flüchtiger Gemeinsamkeit, der als Moment der Liebe umso kostbarer wird. Ein Kölner Karnevalsverein würde vielleicht gemütvoll singen: „So jung kommen wir nie wieder zusammen ...“ Um es mit Paulus zu sagen: „Wenn ich mit Menschen- und mit Engelzungen redete und hätte der Liebe nicht, so wäre ich ein tönend Erz oder eine klingende Schelle“. Ohne das Miteinander, das Soziale, den Funken, der überspringt und uns verbindet – blieben wir alle hohle Gefäße. ______________________________________________________________________________________________ |
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VON JÜRGEN KISTERS Lindenthal. Wenn in einer Ausstellung gleichzeitig Malerei und Fotografie gezeigt werden, liegt es nahe, nach "Beziehungen" zu suchen und beide miteinander zu vergleichen. Sich der besonderen Eigenschaften des einen und des anderen Mediums zu vergewissern. Und die Frage aufzuwerfen, wie sie unsere Erfahrung von Wirklichkeit widerspiegeln und vielleicht sogar prägen. Diese Möglichkeit bieten die Malerin Anne Dahm-Puchalla und der Fotograf Tobias Dahm derzeit in der VHS-Galerie-Lindenthal. Da es sich um Mutter und Sohn handelt, kommt zusätzlich die Frage auf, ob unterschiedliche Generationen in der Darstellung gleicher Themen und Motive unterschiedliche Medien wählen. So sind die Zeiten, in denen es der Malerei um die realistische Wiedergabe von Gegenständen und Figuren ging - trotz der jüngsten Belebung des malerischen Realismus - lange schon vorbei. Mit leichter HandDas führt uns Anne Dahm-Puchalla mit ihren Gemälden und Skizzen eindrucksvoll vor Augen. Bereits mit den Impressionisten, insbesondere durch Maler wie Monet, van Gogh und Cezanne, verlagerte sich das malerische Interesse Ende des 19. Jahrhunderts hin zu einer Sichtbarmachung von einzigartigen Wahrnehmungs- und Empfindungsmomenten. Zwar bleibt der Bezug zur gegenständlichen Welt bestehen. Doch jedes Ding, ob Tasse, Tischdecke oder Blumenvase, erweist sich neben seiner Erkennbarkeit als praktisches Alltagsobjekt als Träger von Empfindungen und Träumereien. Mit leichter Hand und zarten Farben taucht Dahm-Puchalla in die malerische Wirklichkeit einer Poesie ein, in der es auf viele kleine Nuancen ankommt. Das sind die Nuancen, die in einer kräftig leuchtenden roten Blüte bereits ihre Vergänglichkeit erkennen lassen. Es sind die Nuancen, die einen Menschen in der Anschauung eines still dastehenden Gefäßes auf sanfte Weise bereits die Regungslosigkeit des Todes erahnen lassen. Diese Erfahrung ist das Thema des klassischen Stilllebens, von der Malerin mit satten Farben schwungvoll in die aktuelle Gegenwartserfahrung gebracht. Viel Weiß ist ihren Farben beigemischt. Und das Weiß sorgt dafür, dass wir ihre Bilder bei aller Melancholie als leicht und versöhnlich erleben. Kann eine ähnlich existenzielle Erfahrung auch mit der Fotografie zum Ausdruck gebracht werden? Tobias Dahm hält den Schatten des durch die Luft springenden Skaters in einer Schwarz-Weiß-Aufnahme fest. Er zeigt das junge Liebespaar, das im Sonnenuntergang auf einem Felsen steht. Versucht der Fotograf von vorneherein, eine ganz andere Erfahrung im Bild festzuhalten, wenn er auf den Auslöser drückt? Dahms Bilder lassen jedenfalls vermuten, dass es ihm weniger auf eine Darstellung der Vergänglichkeit des Lebens ankommt als darauf, bestimmte Augenblicke der Vergänglichkeit zu entreißen. Er fotografiert die Karussell-Fahrer auf der Kölner Kirmes, um die Faszination an ihrem Rotations-Flug über den gesehenen Moment hinaus in Erinnerung zu behalten. Er zeigt die Himmelsspiegelung in einer Pfütze, um ihre gefühlte Einzigartigkeit über ihre Momenthaftigkeit hinaus zu erhalten. Der diplomierte Sozialarbeiter und leidenschaftliche Fotograf erweist sich als ein Sammler von Augenblicken, die ihn aus unterschiedlichen Gründen berühren. Weil er darin eine Geschichte erkennt, einen poetischen Hauch oder den Zauber einer formalen Struktur. Die Fotografie erweist sich für Tobias Dahm als Medium des Augenblicks. Für Anne Dahm-Puchalla ist die Malerei ein Medium der Dauer. So könnte ein erstes vergleichendes Fazit lauten. Doch man ahnt sogleich, dass die Vergänglichkeitsmalerin für den Augenblick malt. Und dass der Augenblicks-Bewahrer das unvermeidliche Gesetz des Vergehens und Verschwindens keineswegs außer Kraft setzen kann.VHS-Galerie Lindenthal, Aachener Straße 220, Mo-Fr 9-20 Uhr, bis 30. Mai. |
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Ausstellung "Beziehungen" Anne Dahm-Puchalla und Tobias Dahm
Bezirksrathaus Lindenthal
Gabriele
Bundrock-Hill M.A.
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KUNST BEI HAUS UND GRUND 12.02.2010Anne Dahm-Puchalla, Jasmina Fries-Bogen: ECHOIm Kölner
Haus und Grundbesitzerverein
wird am 26. Februar 2010 um
19:00 Uhr eine Ausstellung
eröffnet, die im Wortsinne
vielschichtig ist. Text: Ute Kaldune _______________________________________________________________________________________________
aus Kölner Stadt-Anzeiger / Euskirchen vom 13.05.2009, 17:40h„Fass mich nicht an - Berühr mich“
So lautet der Titel der aktuellen
Ausstellung in der Galerie „Alte
Schreinerei“. Dort sind derzeit
rund 50 abstrakte Werke der
Malerin Anne Dahm-Puchalla aus
Köln und etwa 30 Holzarbeiten des
Künstlers Bernd Schmidt aus
Simmerath zu sehen. Schmidt
erlangte den Meisterbrief im
Drechslerhandwerk und war
Meisterschüler von Prof. Gottfried
Böckelmann in Hildesheim.
Dahm-Puchallas Gemälde sind
zumeist den Themen Vergänglichkeit
und Wandel gewidmet. Die Kölnerin
absolvierte seinerzeit ein Kunst-
und ein Aufbaustudium der
Kunsttherapie.
Die Ausstellung in Hillesheim ist bis Samstag, 30. Mai, samstags und sonntags von 15 bis 18 Uhr sowie nach Vereinbarung unter 01 62 / 9 25 29 29 geöffnet. (rom)
Stefan Hackenberg, Anne Dahm-Puchalla, Thomas Hackenberg und Dr. Vera Tüns (von links) empfingen die Besucher. (Bild: Romanowski) ________________________________________________________________________________________________ |
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aus der EIFEL ZEITUNG vom 25.03.2009: Frühling im Kulturhaus ALTE SCHREINEREI in HillesheimVernissage zur Ausstellung „Fass mich nicht an – Berühr mich“Hillesheim. Vom 28. März bis zum 30. Mai zeigt WortBildWiesbaum im Kulturhaus Alte Schreinerei in Hillesheim die Ausstellung „Fass mich nicht an – Berühr mich“ mit Werken von Anne Dahm-Puchalla und Bernd Schmidt. Mit den über 50 abstrakten Bildern von Dahm-Puchalla und den rund 30 Holzarbeiten des Drechslers Schmidt steht die Ausstellung diesmal unter einem Thema, dass auf den ersten Blick widersprüchlich wirkt. „Fass mich nicht an – Berühr mich“ macht jedoch schnell klar, worum es bei der Ausstellung geht: Nicht das grobe, harte und plakative steht im Vordergrund, sondern die Aufforderung, sich auf die Exponate einzulassen und sich im Innern „berühren“ zu lassen. Bernd Schmidt sagt zu seinen Werken: „Meine Arbeiten sind Objekte mit und ohne Funktionszuweisung, die durch ihre moderne und reduzierte Form ansprechen und ein sinnliches Erleben mit Händen und Augen ermöglichen.“ Ganz nebenbei führt er mit einem Exponat bis in die vorchristliche Zeit zurück. Aus einem alten römischen Brunnen hat er einen Eichenbalken retten können, aus dem er unter anderem ein Objekt wie eine Schale gefertigt hat. 2000 Jahre Geschichte in einem modernen Gewand, das berührt ungemein. Anne Dahm-Puchalla „berührt“ mit ihren Werken ebenfalls de Betrachter. Sie sagt über ihr künstlerisches Wirken: „Vergänglichkeit und Wandel sind meine bevorzugten bildnerischen Themen. Mit den Möglichkeiten der Malerei versuche ich dies in seiner Schönheit und Fragilität, seinem Verfall, seiner Flüchtigkeit, Brüchigkeit und Zerbrechlichkeit darzustellen." Seit einigen Jahren verwendet sie unter anderem Bildtitel, die größtenteils Zitate aus der Literatur sind, mit denen sie sich während der Entstehung ihrer Bilder beschäftigt hat, und die so auf eine ganz eigene Weise Einfluss auf die Gestaltung nehmen. Zur Vernissage am 28. März ab 19.00 Uhr im Kulturhaus ALTE SCHREINEREI in der Burgstraße 19 in Hillesheim besteht die Möglichkeit, mit den Künstlern über die Arbeiten zu sprechen. Die Kunsthistorikerin Dr. Ute Kaldune stellt zu dem Werke und Künstler vor. Weitere Informationen sind bei WortBildWiesbaum telefonisch unter 0162 / 925 29 29 zu erhalten.
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________________________________________________________________________________________________ Grau ist bunt (Auszug der Rede zur Ausstellungseröffnung am 19.9.09, Kanzlei Solmecke, Köln, Constantinstr.) Eva Degenhardt (PhilosophieKunst Köln)
Die Auseinandersetzung und Leidenschaft der Künstlerin gilt den Farben. Für sie sind Farben „Taten und Leiden des Lichtes“ wie es Goethe einmal ausgedrückt hat. Dahm-Puchalla experimentiert mit der Lichtqualität der Farben. Sie untersucht die Wirkung die neben einander liegende Farben auf einander ausüben und setzt verschiedene Prinzipien des Kontrastes ein. Sie schichtet die Farben und manchmal mischt sie sie solange, bis ein alles vereinigendes Grau entsteht. Ihre Bilder wirken immer leicht, fast schwebend und zeugen dennoch oder vielleicht gerade deswegen von einem intensiven Prozess der Auseinandersetzung und des Werdens. Der „Leichtigkeit des Seins“ stehen Achtsamkeit und Konzentration von Seiten der Künstlerin gegenüber. Dahm-Puchalla beherrscht ein breites Spektrum des farblichen und gestischen Ausdrucks, ohne je gegenständlich zu werden. Ihre Kunst ist das Ergebnis eines intensiven Prozesses. Die Künstlerin akzeptiert den Zufall als Mitschöpfer, sie ist geübt in einer konzentrierten Achtsamkeit. Die Bilder Dahm-Puchallas sind zeitlos und würdigen gleichzeitig den Augenblick, sie scheinen zu schweben und lassen dennoch der Materialität ihren Raum. Die Bilder berühren unsere Sinne und fordern im selben Augenblick das Nachdenken über die Welt heraus. Sie bündeln in sich die Energien der Farben und strahlen sie in die Umgebung aus. ________________________________________________________________________________________________ Einführung in das künstlerische Werk von Anne Dahm-Puchalla gehalten am 7.4.2005 anlässlich der Ausstellungseröffnung in der Kölner Bank Verfasst von Dr. Sabine Schütz ,M.A....Besonders fasziniert Anne Dahm-Puchalla das Phänomen der Zeit mit all seinen auch beunruhigenden Aspekten - etwa des Alterns und Vergehens - und nicht zuletzt ist ja auch jedes Gemälde ein Dokument seiner eigenen zeitlichen Entstehung. Was ist überhaupt Zeit, was macht sie mit uns und mit den Dingen? Und woran macht der Künstler die Zeit fest? Früher, in der klassischen Malerei, gab es ein ganzes Feld von Symbolen um das Thema der Vergänglichkeit: Flüchtige Dinge wie Kerzen, Musikinstrumente, Seifenblasen gehörten dazu, und auch z.B. Bücher. Daran erinnert ein eher ausgefallenes Doppel-Stilleben von Dahm-Puchalla, ausgefallen, weil es sich näher mit der sichtbaren Realität einläßt als die meisten anderen Arbeiten aus der Paar-Reihe, aber auch wegen seines kontrastreichen Kolorits. Wir sehen je einen Stapel aus aufgetürmten, z.T. geöffneten Büchern, die uns ihre bunten Rücken zeigen, einzelne Seiten wurden als Originale eincollagiert. Auch ein Kunstbuch befindet sich darunter, aufgeschlagen auf der Seite mit Francisco Goyas nackter Maja. Dies kann durchaus als ein dezenter Hinweis auf eines der zahlreichen kunsthistorischen Vorbilder aufgefasst werden. Doch auch ganz andere, stillere und ambivalentere Bilder hat Anne DahmPuchalla für das Phänomen der Vergänglichkeit geschaffen. Eine großformatige Arbeit in leuchtendem Rot aus dem Jahre 2003 rekurriert auf die uralte Symbolik der Zahl vier, die z.B. bei den Ägyptern die Zeit versinnbildlichte. Ein Jahr vergeht in vier Jahreszeiten, ein Menschenleben in vier Lebensaltern. Vier mal vier quadratische Blätter, die je noch einmal längs und quer in vier Felder gefaltet wurden, greifen die Zahl 4 auf, zugleich erinnert diese Vierteilung an das Kreuzsymbol, welches Dahm-Puchalla auch in anderen Zusammenhängen einsetzt, z.B. in dem Bildpaar „Wegkreuzung". Nicht nur als christliches Glaubenssymbol ist der Künstlerin das Kreuz wichtig, sondern auch als elementare Chiffre für die Himmelsrichtungen bzw. die vier Dimensionen - also für den ZeitenRaum, der uns alle umgibt. Ein anderes Bild für die vergehende Zeit fand Dahm-Puchalla in den Verwitterungen der Oberflächen, die ihre Bilder manchmal an altes, bröckliges Mauerwerk erinnern läßt. Die Farbe hat in solchen Bildern manchmal ihren eigenen Weg genommen, sie verläuft in Rinnsalen und Spuren, bricht stellenweise auf oder blättert ab wie eine alte vertrocknete Haut. _________________________________________________________________________________________________
Vom Einmaleins einer
Übersetzerin
(Auszug der Rede
anlässlich der Ausstellungseröffnung
in der Kanzlei Solmecke, Siegburg ,
gehalten von
Anne Dahm-Puchalla unternimmt Reisen zu verwunschenen Orten, zu morbiden Themen und zu Zeitzonen längst vergessener Perioden unseres Planeten. Das Reich des Verfalls ist gleichberechtigt neben Phänomenen wie Endlosigkeit, Schwerkraft, Zeittaktung und Spurensuche zu finden... Abstraktion, metaphorische Sprache und systematische Verhüllung sind die Instrumente, mit denen sie die Oberfläche der Welt quasi transformiert auf einen Spiegel, die Leinwand, die einer vom Leben gezeichneten Haut ähnelt.... Die technische Seite der Arbeitsweise ist doppelbödig: es stehen die gestische, schnelle Pinselspur mit ihrem Verbündeten, dem Zufall, gleichberechtigt neben Sprachformen aus neuesten Bildern, die Zahlensymbolik oder geometrische Präzision instrumentalisiert haben. Ganz häufig fällt thematisch und auch technisch die Dualität auf, die die Arbeiten aufweisen.... Gehorcht wird in dieser Werkstatt einer Dolmetscherin, die sich dem Experiment und der Verhüllung verschrieben hat. Das Quadrat als Symbol für den vom Menschen geschaffenen Raum und das Statische wird neben bevorzugt abstrahierten Landschaftsbeschreibungen und freien Arrangements zum Thema Wachstum und Zeitlichkeit völlig gleichwertig eingesetzt.... Sie selbst ist hochpotente Zusammenfassung aus Erfahrung, Erlebtem und systematisch seziertem Phänomen. ________________________________________________________________________________________________
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